Tagtraum.

Sie schloss ihre Augen und ließ sich durch die Zeit gleiten. Was hatte sie schon alles festgehalten….? Während sie die Tore ihrer Vergangenheit neben sich hinweggleiten sah, stieß sie auf neue, ungeöffnete Türen. Es verbarg sich noch so viel dahinter. Noch so viel, das geschehen sollte. Sie griff nach einer dieser Türknäufe und zog sich dicht an das Holz. Es steht alles im Ungewissen. Aber immer auf einem festen Grund.

Alle Türen wollten geöffnet werden. Aber die meisten mussten geschlossen bleiben. Man kann nicht immer alles gleichzeitig haben.

Hinter den Türen befinden sich immer Wege, die weiterführen und sich auf unglaubliche Art und Weise oft wieder zusamenspinnen.

Neugierig öffnete sie nun einen Spalt und blickte dahinter. Der Weg war gepflastert mit Daunenkissen. Doch behielt sie ihre Sandalen an, denn aus einer Erfahrung heraus wusste sie, dass selbst diese Kissen hier und da noch geflickt werden mussten, denn scharfe Scherben hatten sich Löcher durch den weichen Stoff gegraben.

Alles war voller lebendiger Natur, bunte Blüten erstreckten sich aus allen Richtungen und die Sonne warf sacht ihre erwärmenden Strahlen auf ihr Gesicht. Ohne lange zu zögern begab sie sich auf den Weg. Hin und wieder sah sie, wie sich Unkraut um die Dornen der Rosengewächse gewickelt hatte. Dann wieder, stand da ein Baum, der voll und ganz mit Efeu beklettet war. Genau hier war ein Tisch platziert, gerade groß genug für acht oder neun Menschen.

Unter diesem Tisch sprangen Kinder hervor. Sie liefen ihr entgegen und warfen sich ihr in die Arme. Eines der Kinder war ganz besonders schön. Es hatte goldenes Haar und das Wesen seines Gesichts glich dem ihren. Es sah sie erwartungsvoll an und ließ das Lächeln auf seinen Lippen spielen, das sie so liebte. Sie griff in ihre Tasche und holte ein winziges Einhorn hervor, welches der Junge sofort an sich riss und unter einem Baum versteckte. Dann kam er zu ihr zurück und hielt sich an ihrem Rock fest.

Von nun an würde es eine lange Weile dauern, bis er wieder losließe.

Wiederum griff sie in die Taschen und holte ein Spielzeug nach dem anderen heraus, um auch die anderen Kinder zu beschenken. Dabei empfand sie eine so paradisische Freude in ihrem Herzen, dass es sie wünschen ließ, sie hätte noch mehr mitgebracht.

Sie kamen an ein niedliches Baumhäuschen, umringt von Eichhörnchen, Rehen, Mäusen, Tauben, Fröschen und Igeln. Gemeinsam sangen die Tiere ein Lied und lockten einen Herrn und eine Dame aus der hölzernen Hütte.

„Vater! Mutter!“, rief sie aus. Diese magischen Worte hatte sie schon lange nicht mehr von ihren Lippen gebracht. Sie ließ sich sinken in die weichen Kissen der Elternliebe. So fühlte es sich an. Das lang vergessene Gefühl. Das Geborgensein.

Die Liebe ihrer Mutter umfasste ihr Herz und die Liebe ihres Vaters nahm sie an der Hand und führte sie zur Tür zurück. „Geh, mein Kind“, sagte ihr Vater und ihre Mutter fügte hinzu: „Schon bald siehst du uns wieder. Gedulde dich nur.“

Dann verschwamm alles und sie fand sich zurück in einem Sessel, in dem sie ihren Tagträumen nachgehangen hatte. Es war ein kurzer, aber ein unendlich schöner Traum. Und das, was sie am meisten mit Glück und Freude erfüllt hatte, war, dass dieser Traum schon bald Gestalt annehmen würde.

6 Antworten zu Tagtraum.

  1. Alwina schreibt:

    Schöööööööööööön :3

  2. VisualKex schreibt:

    Naja, ich meine so im Allgemeinen, was die ganzen Einzelheiten zu bedeuten haben. x)

  3. Alwina schreibt:

    Man kann sich jedenfalls etwas vorstellen… :)

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